Söhne der »Onkelz«

Die südtiroler Band »Frei.Wild« geht auf Deutschlandtournee

Von Janka Kluge

Fast unbemerkt von der kritischen Öffentlichkeit hat sich die südtiroler Band »Frei.Wild«, die sich selbst als Nachfolger der »Böhsen Onkelz« bezeichnen, in die CD Verkaufshitparade gespielt.

Die »Böhsen Onkelz« waren 1980 als Punkband gegründet worden. Bereits mit ihrer ersten Aufnahme zeigten sie aber dezidiert rechtes Gedankengut. Mit Liedern wie »Tührkän rauhs« (1981) oder »Deutschland den Deutschen« (1983) wurden sie zu einer Kultband der damals aufkommenden Skinheadbewegung.

Das 1984 veröffentlichte Album »Der nette Mann« wurde im September 1986 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften »wegen tendenzieller nationalsozialistischer«, bzw. die »Inhalte des Nationalsozialismus unreflektiert übernehmender« Texte (Wikipedia »Böhse Onkelz«) indiziert. Trotz der Nähe zu Nazistrukturen gelang es der Band immer mehr, auch bei einem eher unpolitischen Publikum Erfolge zu feiern. Als sich die »Onkelz« 2005 auflösten, hatten sie es geschafft, sich in der öffentlichen Wahrnehmung von der Nazi-Band zur geläuterten Hardrock Band zu wandeln. Diese vermeintliche Wandlung haben Antifaschisten immer angezweifelt.

Nach der Auflösung der »Böhsen Onkelz« gründeten sich verschiedene Coverbands, die die Titel der »Onkelz« nachspielten. Neben Bands wir »Kneipenterroristen« oder »Enkelz«, die bis heute in kleinen Clubs auftreten, hat es »Frei.Wild« geschafft an die Erfolge der »Onkelz« anzuknüpfen.

Immer wieder distanzieren sich die Musiker von »Frei.Wild« von offen auftretenden Nazis, welche sie zu den Nazibands rechnen. So heißt es in dem Lied »Land der Vollidioten«: »Das ist das Land der Vollidioten, die denken Heimatliebe ist der Staatsverrat. Wir sind keine Neonazis und keine Anarchisten.« (Aus der CD »Hart am Wind«)

Doch die Nähe zwischen »Frei.Wild« und den Neonazis kommt nicht von ungefähr. Der Sänger Philipp Burger war früher bei der Naziband »Kaiserjäger«. Mit dem Projekt »Frei.Wild« wollte Burger ähnlich wie die »Onkelz« rechtes Gedankengut mit einer Musik verbinden, die von vielen gehört wird. Trotz der Trennung von »Kaiserjäger«, war Burger jahrelang in rechten Organisationen aktiv. Er war Mitglied der rechtspopulistischen Partei »Die Freiheitlichen« und saß für sie sogar im Stadtparlament von Brixen. Erst nachdem das Management der Band Burger aufforderte, sich von der Partei zu distanzieren, trat er aus. Sein politisches Engagement ließ sich nicht länger mit dem Bild der scheinbar unpolitischen Band vereinbaren. Burger verbreitete dann folgende Erklärung:

»Was die Mitgliedschaft bei den Freiheitlichen betrifft: Ich bin aus der Partei wieder ausgetreten und habe auch das Amt niedergelegt, aber nicht deswegen, weil ich Schuldgefühle habe oder mit dem Parteiprogramm nicht einverstanden wäre, soviel ist sicher, sondern weil ich vor allem in der Aussprache mit der Crew, eingesehen habe, dass es zwiespältig ist, Parteimitglied zu sein und gleichzeitig Distanz von der gesamten Politik zu nehmen, da gebe ich euch recht und habe meine Konsequenzen gezogen.« (linksunten.indymedia.org ). Trotz dieser nach außen gezeigten Distanz zu Neonazis sind Lieder von »Frei.Wild« auch später noch auf Samplern von Nazibands aufgetaucht, ohne dass das Management der Band dagegen vorgegangen wäre. Statt nationalistisch bezeichnet sich »Frei.Wild« als südtiroler Patrioten. In dem Lied »Südtirol Heimatland« singen sie: »Südtirol, wir tragen deine Fahne, / denn du bist das schönste Land der Welt, / Südtirol, sind stolze Söhne von Dir, / unser Heimatland, wir geben dich niemehr her. / Südtirol deinen Brüdern entrissen, / schreit es heraus, dass es alle wissen, / Südtirol, du bist noch nicht verlorn, / in der Hölle solln deine Feinde schmorrn.«

Die neurechte Theoriezeitung »Sezession« schrieb im April 2010 über den Spagat von »Frei.Wild«: »Nun gehört es zum Kern der Kennzeichnung von Popmusik, dass sie massenkompatibel zu sein hat, mithin die breite Mittelschicht anspricht. Aufstrebende Projekte stehen so irgendwann vor der Entscheidung, sich entweder zu popularisieren, um weiterwachsen zu können – oder aber weiterhein den kleineren, feineren Kreis zu bedienen.« »Frei.Wild« hat den Weg zum breiten Publikum gefunden. Bei ihrer Tournee Ende des Jahres spielen sie in den größten Hallen Deutschlands.

Dieser Artikel wurde übernommen mit freundlicher Genehmigung der VVN-BdA und erschien erstmals in der Zeitschrift »antifa«, Ausgabe Nov./Dez.2011.





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